Weihnachten in der Mara Siana Conservancy
Wie sehen die Feiertage eigentlich in Kenia aus? Für mich waren sie in diesem Jahr ganz anders als alles, was ich bisher kannte.
Der 24. Dezember – bei uns Heiligabend – begann ganz unspektakulär mit Arbeit. Am Morgen machten wir uns zu viert auf eine Fußpatrouille in Richtung eines Wasserlochs. Dort halten sich regelmäßig viele Wildtiere auf: Elefanten, Büffel und manchmal auch Löwen. Unsere Aufgabe war es, mögliche Konflikte zu vermeiden, indem wir die Kühe vom Wasserloch fernhielten und ihre Routen im Blick behielten. Weihnachtsstimmung kam dabei zunächst noch nicht wirklich auf.
Am Abend verließen fast alle Ranger das Camp, um die Feiertage bei ihren Familien zu verbringen. Zu zweit blieben wir zurück. Am Lagerfeuer, einige Meter neben dem Camp im Busch grillten wir uns zwei Hähnchen mit Honig-Kräuter-Panade – unser Weihnachtsessen. Da es schon dunkel war und wir recht spät dran waren, mussten wir gut aufpassen, dass uns die Hyänen nicht zuvorkamen. Aus der Ferne hörten wir bereits ihr Lachen. Egal, wir hatten ja unsere Dolche dabei, ob das bei einem Rudel Hyänen so wie gebracht hätte, keine Ahnung?!
Viele Ranger gingen in der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtfeiertag gemeinsam mit ihren Familien in die Kirche – oft die ganze Nacht. Am nächsten Morgen füllte sich das Camp langsam wieder. Gemeinsam bereiteten wir ein großes Weihnachtsessen für alle vor: gutes Fleisch, Chapati, Kartoffelbrei und kalte Getränke.
Am 28. Dezember, einem Sonntag, trafen sich alle Mitarbeitenden der Conservancy zu einem Jahresabschlusstreffen. In der Nacht zuvor hatte es jedoch angefangen, heftig zu regnen – mit dem beeindruckendsten Gewitter, das ich je erlebt habe. Der Himmel war komplett von Blitzen erleuchtet, etwa alle zehn Sekunden ein neuer. Der Regen hielt die nächsten zwei Tage so an. Trotz des Regens und des Schlamms, der am nächsten Tag überall in den Gebäuden verteilt war, war die Stimmung erstaunlich gut, es gab ja gutes Essen!
Silvester verbrachte ich in Sekenani, etwa 15 Kilometer vom Camp entfernt, gemeinsam mit ein paar Freunden. Um Mitternacht gab es ein kleines Feuerwerk. Am Neujahrstag kehrte ich ins Camp zurück, wo wir das neue Jahr noch einmal gemeinsam mit einem Essen begrüßten.
Diese Feiertage waren anders als alles, was ich bisher kannte, dafür viele neue Eindrücke, Begegnungen und Momente, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.